Manchmal darf die geschundene (Piloten-)Seele auch ein bisschen Ausruhen, so gibt es im Moment die Möglichkeit, einen Tag am Strand zu verbringen. Nicht immer lässt dies das Wetter zu, wie die Fotos zeigen, aber so viel Zeit wie in Tel Aviv bleibt einem sonst nicht.
Ja, auch das Glücksspiel hat seinen Platz in der Fliegerei, man wird sogar einmal im Monat dazu gezwungen, sich via Intra-/Internet beim Roulette zu versuchen, genauer gesagt beim Planungsroulette.
Hat man sich nicht schon im Vorfeld per Joker(-wish) einen Vorteil verschafft und sich gewisse Flüge oder Freitage mit den begrenzten Punkten am Kartentisch gesichert, besteht die letzte Hoffnung darin, dass man sich seine Wünsche mit Glück oder auch Können (Wie kann ich den Planungscomputer am besten überlisten?) erfüllen kann.
So teilt sich der Monat dann auch grob in drei Phasen ein:
Die Phase des Entdeckens: die geplanten Rotationen werden publiziert, zumindest für die Kurzstreckenbesatzungen durchaus interessant, was für Kombinationen gibt es nächsten Monat
Die Phase der Hoffnung: Rien ne va plus im Roulette-Fachjargon, die eingegebenen Wünsche werden vom Computer prozessiert und erfüllt, oder eben auch nicht
Die Phase der Erleichterung/Enttäuschung: Der Plan wird publiziert, für die Piloten meist einen Tag früher als für die Kabinenbesatzungen. Hier spielen sich zum Teil fast Dramen ab, gewünschte Rotationen sind geplant worden, der Moskau-Turnaround findet sich im Plan, enttäuschte wie freudige Gesichter sind auszumachen oder entsprechende Statusmeldungen auf einschlägig bekannten sozialen Netzwerken im Internet zu lesen. Die erreichte Zufriedenheit wird anschliessend nüchtern in einer vom Computer errechneten Prozentzahl ausgedrückt, das persönliche Empfinden stimmt dann nicht immer mit der vom Computer ausgegeben Zahl überein, im positiven wie im negativen Sinn.
Da die Fliegerei aber ein dynamisches Geschäft ist, ist auf den Plan nicht immer verlass, Flüge werden gestrichen, Verspätungen führen zu Änderungen. So kann ein Einsatzplan am Ende des Monats ganz anders aussehen als am Anfang des Monats, was vor allem auf die Langstreckenbesatzungen zutrifft (siehe hier), da Unregelmässigkeiten auf der Kurzstrecke eher aufgefangen werden können.
Eine weitere Unbekannte des Systems ist die Verteilung der Flüge, so kann man sich einen Flug über Monate wünschen, der Wunsch wird aber nicht erfüllt. Doch meist kommt dann ein Monat, in dem man diesen Flug unzählige Male erhält, was des guten fast schon wieder zu viel ist.
Bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt und so wird jeden Monat wieder der neue Plan erwartet, in der Hoffnung, der Computer habe erbarmen und man erhalte nun endlich einmal die gewünschten Flüge.
Die verschiedenen Hotels in denen wir nächtigen haben ganz unterschiedliche Lagen, so sind die einen in unmittelbarer Nähe des Flughafens, zum Teil sogar im Flughafen, andere wiederum sind nur per Bus zu erreichen.
Hier geht es noch nicht um die neue Uniform meines Arbeitgebers, die später dieses Jahr eingeführt wird. Da ich nicht Lokomotivführer geworden bin (http://www.login.org/de/lokfuehrerschule/berufsbild-lokfuehrerin/) habe ich jährlich mein Land zu verteidigen und so ist mein Augustplan vornehmlich mit MD gefüllt, auch der schon aufgeschaltete Septemberplan enthält noch ein paar Tage MD.
So bleibt mir im Moment nichts anderes übrig als die Kollegen von unten zu betrachten und mich auf meinen nächsten Flug freuen, wobei der erste Tag nach dem Militär mit STBY noch Überraschungen beinhalten kann.
Während man an einigen Orten mit Müh und Not die ganze Crew in das bereitgestellte Transportmittel bringt, wird an anderen Orten nicht mit Grösse gespart, so gesehen und benutzt in Mailand:
Es hätten noch 51 weitere Besatzungsmitglieder einen Sitzplatz gehabt…
…dann wurde der Autopilot bewusst ausgeschaltet, das wird mit dem für 3 Sekunden blinkenden Master Warning-Lämpchen noch optisch untermalt, der Ton hört sich so an: Autopilot disconnect
Schaltet sich der Autopilot selbst aus, was vorkommen kann, so wiederholt sich der Ton ständig und das Master Warning-Lämpchen blinkt bis die Warnung gelöscht wurde.
Dies ist meistens das einzige rote Lämpchen, das man während eines Fluges zu gesicht bekommt, allgemein gilt bei Airbus die Dark Cockpit-Philosophie, also das dunkle Cockpit. Damit ist gemeint das bei Normalbetrieb keiner der vielen Knöpfe erleuchtet ist.
(Bild kommt noch in besserer Qualität)
Nun ist es aber so, das an mindestens 4 Tagen im Jahr plötzlich mehr Schweiss aus den Drüsen fliesst und die Temperatur im Cockpit ansteigt. Dies sind dann halbjährlichen Simulatorchecks, je 2 Tage dauernd, der erste als eigentliche Prüfung, bei der gezeigt wird, dass man das Flugzeug auch beim Ausfall eines Triebwerks unter Kontrolle hat, einen Go Around fliegen kann und dann auch noch sicher landen kann. Ebenfalls wird das Wissen der Probanden getestet, vorausgesetzt, man hat nicht selber schon genug Fragen um den gegenüber sitzenden Prüfer zu beschäftigen, was allerdings auch nicht immer klappt, wie hier zu lesen ist: http://skypointer.swissblog.ch/2009/05/06/checkrefresher/ (Übrigens auch eine schöne Zusammenfassung)
Am 2ten Tag gibt es dann jeweils viele Lämpchen am Overheadpanel zu bestaunen, es werden dann jeweils komplexere und mehrfach Fehler simuliert, so dass auch der Umgang mit den Checklisten und sonstigem wieder einmal geübt werden kann. So beträgt die benötigte Pistenlänge schnell einmal den doppelten Wert oder noch mehr als im Normalbetrieb.
Auch Flugzeugen, die sich plötzlich auf Kollisionkurs befinden, muss ausgewichen werden und den tückischen plötzlichen Windänderungen, Scherwinden oder Wind Shears auf Neudeutsch, getrotzt werden.
Nach weiterem Theorieunterricht im Anschluss wird man dann wieder in die weite Welt entlassen und kann sich dann wieder einmal weiter als 10 Minuten von einem Flughafen entfernen, sogar Kaffee gibts dann wieder während des Fluges.
Offenbar ist eine beliebte Tätigkeit bei den Angestellten meines Arbeitgebers vor dem Simulatorcheck noch einen Blog-Eintrag zu erstellen, wie folgende 2 Beweislinks zeigen:
Die Zeit vergeht wie im Fluge sagt der Volksmund. Die Frage, ob jetzt die Zeit während des Fliegens doppelt oder noch schneller verfliegt, lasse ich jetzt unbeantwortet, aber die Tage und Wochen verstreichen und schon ist man ein Jahr bei einer Firma, was bei mir heute der Fall ist.
Es kommt mir vor, als hätte ich eben erst gestern noch in Vero Beach die ersten Erfahrungen mit 2-Motorigen Flugzeugen gemacht, habe aber in diesem Jahr bei Swiss schon etwas mehr als 800 Stunden im Cockpit und Simulator verbracht. Zum Teil mit Rückenwind, oder dann die Tage an denen man in irgend eine Richtung fliegen kann und es bläst einem immer auf die Nase.
Es wurde frühmorgens schon gearbeitet, aber auch am Abend in Paris ein teures Bier getrunken. Ebenfalls in Paris wurden die Hasen begutachtet, aber auch die Katzen in Rom wurden besichtigt.
Es wurden von Flughäfen von A wie Athen bis Z wie Zürich angeflogen und das Kreuz und Quer durch Europa. Viele neue Namen, an die man sich nicht mehr unbedingt erinnert, und Gesichter, an diese eher, wurden kennengelernt und zahlreiche fröhliche Stunden verbracht und neue Orte erkundet.