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Glücksspiel in der Fliegerei

Donnerstag, 26. November 2009 | Autor:

Ja, auch das Glücksspiel hat seinen Platz in der Fliegerei, man wird sogar einmal im Monat dazu gezwungen, sich via Intra-/Internet beim Roulette zu versuchen, genauer gesagt beim Planungsroulette.
Hat man sich nicht schon im Vorfeld per Joker(-wish) einen Vorteil verschafft und sich gewisse Flüge oder Freitage mit den begrenzten Punkten am Kartentisch gesichert, besteht die letzte Hoffnung darin, dass man sich seine Wünsche mit Glück oder auch Können (Wie kann ich den Planungscomputer am besten überlisten?) erfüllen kann.

So teilt sich der Monat dann auch grob in drei Phasen ein:

  • Die Phase des Entdeckens: die geplanten Rotationen werden publiziert, zumindest für die Kurzstreckenbesatzungen durchaus interessant, was für Kombinationen gibt es nächsten Monat
  • Die Phase der Hoffnung: Rien ne va plus im Roulette-Fachjargon, die eingegebenen Wünsche werden vom Computer prozessiert und erfüllt, oder eben auch nicht
  • Die Phase der Erleichterung/Enttäuschung: Der Plan wird publiziert, für die Piloten meist einen Tag früher als für die Kabinenbesatzungen. Hier spielen sich zum Teil fast Dramen ab, gewünschte Rotationen sind geplant worden, der Moskau-Turnaround findet sich im Plan, enttäuschte wie freudige Gesichter sind auszumachen oder entsprechende Statusmeldungen auf einschlägig bekannten sozialen Netzwerken im Internet zu lesen. Die erreichte Zufriedenheit wird anschliessend nüchtern in einer vom Computer errechneten Prozentzahl ausgedrückt, das persönliche Empfinden stimmt dann nicht immer mit der vom Computer ausgegeben Zahl überein, im positiven wie im negativen Sinn.

Satisfaction

Da die Fliegerei aber ein dynamisches Geschäft ist, ist auf den Plan nicht immer verlass, Flüge werden gestrichen, Verspätungen führen zu Änderungen. So kann ein Einsatzplan am Ende des Monats ganz anders aussehen als am Anfang des Monats, was vor allem auf die Langstreckenbesatzungen zutrifft (siehe hier), da Unregelmässigkeiten auf der Kurzstrecke eher aufgefangen werden können.

Eine weitere Unbekannte des Systems ist die Verteilung der Flüge, so kann man sich einen Flug über Monate wünschen, der Wunsch wird aber nicht erfüllt. Doch meist kommt dann ein Monat, in dem man diesen Flug unzählige Male erhält, was des guten fast schon wieder zu viel ist.

Bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt und so wird jeden Monat wieder der neue Plan erwartet, in der Hoffnung, der Computer habe erbarmen und man erhalte nun endlich einmal die gewünschten Flüge.

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Thema: On ground

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2 Kommentare

  1. 1
    Severin 

    Das wohl härteste Glückspiel der Welt 😉 kurz und pikant beschrieben.

    Total – Worst
    Satisfaction = —————
    Best – Worst

    200.0 – 0.0
    = ————–
    1600.0 – 0.0

    = 13%

    Alpha Factor Ratio = 92%

    weitaus rätselhafter erscheint mir die Alpha Factor Ratio… soll da einer noch durchblicken. Egal wie hoch oder tief die Prozentzahl ist, stimmen wird sie wohl nie können..

    Merci für den Text, mögen deine Wünsche erhört werden…

    Liebi Grüess,

    Severin

  1. […] Erst dachte ich, es hätte was mit Informatik zu tun (Ich bin ja seitens der IT beruflich vorbelastet). Aber es ist ein Blog eines schweizer Copiloten-Kollegen, der seit 2008 fliegt und bloggt. Beruhigend, dass manche Probleme nicht nur bei meinem Arbeitgeber auftauchen. Hier als Beispiel: Der Dienstplan und das drumherum. […]

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